Beitrags-Archiv für die Kategorie 'Historisches'

Aus der Geschichte unserer Stadt Schloß Holte-Stukenbrock, Folge 5

Donnerstag, 30. Oktober 2008 18:31

Das Wappen der Stadt

Es ist verhältnismäßig jung, unser Stadtwappen. Im Dezember 2009 wird es erst 30 Jahre alt. Der Herr Regierungspräsident in Detmold hat mit Urkunde vom 19. Dezember 1979 der Gemeinde Schloß Holte-Stukenbrock die Führung eines Wappens, eines Siegels und einer Flagge (Banner und Hissflagge) genehmigt. Die Genehmigung wurde am 14. Januar 1980 in der Ausgabe Nr. 2 des Amtsblattes für den Regierungsbezirk Detmold veröffentlicht.
Das Wappen wurde entworfen von dem Heraldiker Waldemar Mallek aus Münster, der dabei die aus der Gemeinde Schloß Holte-Stukenbrock kommenden Anregungen und Wünsche berücksichtigt hat. Besondere Beachtung fand dabei der Entwurf von Anton Leeder, dessen wesentliche Grundelemente in das Wappen übernommen wurden. Bei der Beschreibung eines Wappens muss man wissen, dass sie sich immer an der Blickrichtung des Wappenträgers orientiert. Die Ritter des Mittelalters führten auf der großen freien Außenfläche ihres Schutzschildes bekannte Symbole oder Bilder damit man wusste, wen man im Kampfgetümmel vor sich hatte, Freund oder Feind. Die Redewendung: „Er führt etwas im Schilde“, ist auf die Bilder der Schutzschilde der Ritter des Mittelalters zurück zu führen.
Die Stadt Schloß Holte-Stukenbrock führt in ihrem Schilde (Wappen) im gespaltenen roten Schildhaupt rechts (vom Träger aus gesehen) ein goldenes durchgehendes Kreuz und links einen goldenen Adler. Im silbernen Feld darunter eine grüne Eiche mit zwei goldenen Eicheln. Zwei dieser drei Symbole sind den früheren Gemeindewappen von Liemke (seit 1964 Schloß Holte) und Stukenbrock entnommen. Das goldene Kreuz erinnert an die frühere Zugehörigkeit von Stukenbrock und Stukenbrock-Senne zum Fürstbistum Paderborn. Das Fürst bischöfliche Wappen findet man noch heute über dem Westportal der St. Johannes-Kirche in Stukenbrock, am Hauptaltar der St. Johannes-Kirche, am Pastoratsgebäude und an der ehemaligen Papierfabrik Stenneberg in Stukenbrock. Der goldene Adler erinnert an die frühere Zugehörigkeit von Liemke und Sende zur Grafschaft Rietberg. Der Adler war das Wappen der Grafen von Rietberg. Er erinnert an die alte Grafschaft, die 1237 ihre Selbständigkeit erlangte. Die Rietberger Grafen, aus dem Hause Arnsberg stammend, hatten als ihr Wappensymbol den Adler übernommen. Der Rietberger Adler ist ebenfalls zu finden im Stadtwappen von Rietberg und im Wappen des Kreises Gütersloh. Doch weist der Rietberger-Adler im Stadtwappen von Schloß Holte-Stukenbrock eine Besonderheit auf. Ursprünglich trägt der Rietberger-Adler in jeder Schwinge fünf Federn, hier aber nur vier. Wo er die Federn verloren hat, ist bislang unergründlich. Lästermäuler behaupten, der Rietberger-Adler hätte bei den damaligen Turbulenzen der Gebietsreform
Federn lassen müssen“. Bei der Genehmigungsverfügung vom 19. 12. 1979 des neu geschaffenen
Wappens ist dieser Verlust offensichtlich nicht aufgefallen. Da hat der Spaßvogel dem Herrn Regierungspräsidenten den Verlust seiner beiden Federn vorenthalten. Ob dieser Verlust heraldisch von Bedeutung ist, wurde bislang nicht hinterfragt. Um die Wappenbeschreibung zu vervollständigen, sei noch die Bedeutung des Eichbaumes erläutert. Der mächtige Eichenbaum soll nicht nur den Waldreichtum der Stadt symbolisieren. Aus fünf starken Baumwurzeln (Ortsteile) ist der stolze Baum (die Stadt) gewachsen. Die beiden goldenen Eicheln sind den ehemaligen Wappen von Liemke und Sende entnommen, deren Bedeutung aber nirgendwo nachzulesen ist.
Bei dieser Gelegenheit sei mir der Hinweis erlaubt, dass sich auch im Landeswappen von Nordrhein-Westfalen ein Fehler eingeschlichen hat. In der unteren Spitze des Wappenschildes steht nämlich die „Lippische Rose“ auf dem Kopf.
Heinz Tölke

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Aus der Geschichte unserer Stadt Schloß Holte-Stukenbrock; Folge 4: 1933 – 2008; „75 Jahre” Jugendheim St. Michael Stukenbrock

Mittwoch, 30. Juli 2008 17:41

In den Jahren 1929 bis 1935 wirkte in Stukenbrock Vikar Johannes Westerbarkey, ein gebürtiger Bauernsohn aus Avenwedde. Nach seinem Studium in Paderborn und Freiburg wurde Johannes Westerbarkey als 24-jähriger am 16. März 1927 im Dom zu Paderborn zum Priester geweiht. Seine erste Predigt hier in Stukenbrock war eine Bettelpredigt. Es ging damals um die Anschaffung einer Heizung für die Pfarrkirche. Die Gläubigen, manche hatten kilometerweite Wege zurückzulegen, sollten wenigstens im Winter eine warme Kirche vorfinden. Die Kollekte brachte soviel Geld ein, dass davon sogar noch eine elektrische Beleuchtung angeschafft werden konnte. Vikar Johannes Westerbarkey geriet öfter mit den Nazis in Konflikt. Wenn seine Mutter ihn zur Vorsicht mahnte, soll er geantwortet haben: „Wenn Johannes der Täufer vorsichtiger gewesen wäre, könnte er seinen Kopf heute noch haben“. Johannes Westerbarkey trat später dem Jesuitenorden bei. Er gründete die „Anton-Heinen-Gesellschaft für Volksbildung auf dem katholischen Lande“. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Westerbarkey schwer erkrankt im Hause Sentmaring in Münster, einer Ordensfiliale des Jesuitenordens. Nach der Zerstörung durch Bomben im letzten Weltkrieg hatte er auch am Wiederaufbau dieses Hauses mitgewirkt.
Johannes Westerbarkey wurde 73 Jahre alt und verstarb an seinem Geburtstag am 17. April 1975. Seinem zielstrebigen Handeln haben wir auch den Bau des katholischen Jugendhauses „St. Michael“ in Stukenbrock zu verdanken. Knapp ein Jahr nach der Grundsteinlegung am 18.September 1932 erhielt das Jugendhaus „St. Michael“ am 30. Juli 1933 die kirchliche Weihe und wird in diesem Jahre nun 75 Jahre alt. Der Bau des Hauses wurde damals ermöglicht durch freiwillige, unentgeltliche Arbeitsleistung der Maurer und Zimmerleute. Vikar Westerbarkey verstand es, viele damals arbeitslose Stukenbrocker für diese Aufgabe zu gewinnen. Es gab einen „Verein der Freunde und Förderer des Jugendhauses St. Michael“, der das Bauvorhaben finanziell unterstützte. In den Räumen des neuen Jugendhauses entwickelte sich reges Jugendleben. Doch sollte dies nur von kurzer Dauer sein. Nach der sogenannten Machtübernahme durch Adolf Hitler im Jahre 1933 wurde durch die Verfügung des Reichspräsidenten „Zum Schutz von Volk und Staat“ erreicht, dass die katholische Jugend ihr neues Heim nur noch zu rein religiösen Veranstaltungen benutzen durfte. Durch Verbote und Verfügungen von Seiten der NSDAP (National-Sozialistische-Deutsche-Arbeiter-Partei) und durch die Aktivierung der Hitlerjugend-Organisation war es den katholischen Jugendlichen schließlich unmöglich gemacht, ihr Heim überhaupt noch zu benutzen. Bei Nacht und Nebel wurde das Jugendbanner von Stukenbrocker-Nazis vom Dach des Hauses geholt und zerrissen. Nach Ende des Krieges und der Naziherrschaft wurden die Reste des zerrissenen Banners in ein neues Banner der katholischen Mannesjugend übernommen. Im Jahre 1940 wurde das Jugendheim von der NSDAP beschlagnahmt und der große Versammlungsraum versiegelt. Die Versammlungen der Katholischen Jugend fanden nunmehr in der Pfarrkirche statt. Häufig gab es Auseinandersetzungen mit der Hitlerjugendführung. In diesem Zusammenhang darf erwähnt werden, dass der damalige Pfarrer von Stukenbrock, Dechant Otto Hesse und Vikar Heinrich Huckschlag zur Gestapo (Geheime Staatspolizei) nach Paderborn vorgeladen wurden und dort Rede und Antwort zu stehen hatten. Beide kamen mit einer Verwarnung noch glimpflich davon. Dechant Hesse musste zusätzlich 300,- Reichsmark Sicherungsgeld bezahlen. In dieser schweren Zeit wurde das Jugendheim mit einer Scheinhypothek belegt und von der Kirchengemeinde als Pfarrheim übernommen. Es sollte dadurch vor weiteren Zugriffen durch die NSDAP in Schutz genommen werden. Ein von der Kirchengemeinde bestellter Hausmeister (Otto Schüler) konnte im Pfarrheim seine Wohnung nehmen und dort auch wohnen bleiben, obwohl von der NSDAP bereits ein anderer Hausmeister vorgesehen war. Der geschickten Diplomatie des Herrn Schüler war es zu verdanken, dass der Saal entplompt wurde und im Pfarrheim die Religionsstunden stattfinden konnten, die in den Volksschulen nicht gehalten werden durften. Die Katholische Jugend von Stukenbrock aber hatte damit ihr Zuhause, ihr „Jugendhaus St. Michael“ verloren.
Im Jahre 1943 wurde in Bochum ein Waisenhaus wegen der immer größer werdenden Bombengefahr geräumt. Fünfzig Mädchen mit ihren Schwestern vom Orden der Vincentinerinnen fanden im Pfarrheim ein neues Zuhause, bis sie 1946 nach Bochum zurückkehren konnten. Nun wurde im Pfarrheim eine Schwesternstation eingerichtet, mit Kindergarten, Nähschule und ambulanter Krankenpflege. Das Heim beherbergte außerdem die Pfarrbücherei. Nach dem Zusammenbruch des sogenannten 3. Reiches konnte die Katholische Jugend, die wieder neu organisiert wurde, nur noch den Saal benutzen, aber auch nur dann, wenn die Stunden des Kindergartens beendet waren. Im Jahre 1956 wurden die Schwesternstation und der Kindergarten in die zum „Schwesternhaus St. Elisabeth“ umgebaute frühere Mädchenschule auf der Ottenheide verlegt. (Heute: „St. Elisabeth-Kindertagesstätte-Ottenheide) Die im Heim freigewordenen Räume wurden wegen der damals herrschenden Wohnungsnot vermietet. So stand weiterhin nur ein einziger Raum für die Jugendarbeit zur Verfügung (der jetzige kleine Saal), der auch noch mit anderen Vereinen wie Frauen- und Mütterverein, Kirchenchor und Hedwigskreis geteilt werden musste. Einmal wöchentlich diente der Saal als Übungsraum für die Musikkapelle. So war das Pfarrheim im wahrsten Sinne des Wortes ein „Haus der offenen Tür“. Der größte Wunsch der katholischen Jugend damals, dass ihr Haus wieder ihr „Jugendhaus St. Michael“ würde, ging nicht in Erfüllung.
Nach erfolgtem Umbau und Erweiterung in den Jahren 1977/78 mit einem Kostenaufwand von ca. 700.000,- DM, wovon die Kirchengemeinde ca. 132.000,- DM aufzubringen hatte, bot das Haus als sogenanntes „Pfarrzentrum“ neben der Jugendarbeit, den Vereinen der Pfarrgemeinde die Möglichkeit, reges Vereinsleben zu entwickeln. Nach Zerstörung durch einen Großbrand am 16. August 1999 wurde das Haus nach völliger Restaurierung am 7. Mai 2000 wieder eröffnet. Möge das Pfarr- und Jugendheim Stukenbrock noch viele weitere Jahre unter dem Schutz von „St. Michael“ die Stürme der Zeit überdauern.

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Historische Blätter Nr. 35

Dienstag, 1. April 2008 11:54

Aus der Geschichte des Jahrmarktes zu Stukenbrock

Wie fast alle Märkte ist auch der Stukenbrocker Markt wahrscheinlich aus einem Kirchweihfest entstanden. In seinem Buch „Stukenbrock, Geschichte eines Sennedorfes“, 1953 Seite 102, schreibt der Heimatforscher Johannes Stiewe: Zwei Feste gab es im Jahresablauf: die Stukenbrocker Kirmes und Pollhans. Die Kirmes war das Nationalfest und weit und breit bekannt. Die Anfänge gehen bis in die Zeit der Gründung der Kirche zu Anfang des 17. Jahrhunderts zurück, so dass sie über 300 Jahre alt ist. Im Lippischen bedangen sich die Knechte und Mägde aus, auf der Stukenbrocker Kirmes frei zu haben, und in Scharen ging es an diesem Tage nach Stukenbrock. Jäger im Bokelvenn soll noch bis in die Dunkelheit Pickert verkauft haben, „ellenlang für einen Groschen“. Die Buden standen an der Straße von der Kirche bis Steermann, das Karussell stand auf dem Grundstück daneben. Getanzt wurde auf Peters und Kösters Saal, auch wohl in einem Zelt. Dort gab es Honig- und Zuckerbier für wirkliche und angehende Bräute. Hoch ging es in Peters Kegelbahn her. Mancher Taler wurde dort verwettet. Zur Kirmes gehörte eine zünftige Schlägerei, ohne diese wäre es keine rechte gewesen.
Im Paderborner Almanach,Ausgabe 1798, wird der Markt in Stukenbrock mit folgenden Worten bekannt gegeben:
„Stukenbrock, Sonntag nach Johannes Enthauptung.“

Im Kalender mit dem Titel Verbesserter und alter Kalender auf das Gemeinjahr 1823 für die Königl. Preußische Provinz Westphalen ist unter dem Märkteverzeichnis die Eintragung „Stukenbrock, 1. Sept. Kr. u. Vm.“ zu finden.
Am 27. Dezember 1847 erhielt der Gemeindevorsteher von Stukenbrock, Antpöhler, eine Mitteilung vom Amtmann Reiche aus Delbrück. Dieser wies darauf hin, dass laut Gesetz vom 4.Oktober 1847 der Tarif zur Erhebung der Marktstandsgelder während der Marktzeit zu jedermanns Einsicht auf den zum Feilbieten bestimmten Plätzen aufgestellt sein müsste. In seiner Registratur befände sich kein Tarif zur Erhebung eines Standgeldes auf dem Markt zu Stukenbrock. Antpöhler sollte daher schleunigst anzeigen, auf Grund welcher Urkunde p.p. die Gemeinde Stukenbrock die Erhebung vorgenommen hätte.
Darauf hin schrieb der Vorsteher von Stukenbrock Antpöhler am 30. Dezember 1847 an den Amtmann Reiche, dass auf dem Stukenbrocker Markt „von undenkbaren Zeiten bis jetzt Standgeld gehoben worden sei.“ In früheren Zeiten wäre das Standgeld das Gehalt des Ortsdieners gewesen. Seit 1835 wäre das Standgeld in die Gemeindekasse von Stukenbrock gefloßen. Als Beweis könne er die Gemeinderechnungen vorlegen. In einem erneuten Schreiben vom 19. Dezember 1848 erinnerte Amtmann Reiche aus Delbrück nochmals daran, dass, wenn ein Markt in Stukenbrock stattfände, eine Tafel mit den Tarifen der Marktstandsgelder, welche am Markttag erhoben würden, angebracht sein müßte. Amtmann Reiche schlug vor, die Tarife, die in Delbrück, Lippling und Hövelhof erhoben würden, auch in Stukenbrock einzuführen. Antpöhler solle ihm schreiben, ob dieser mit dem Vorschlag einverstanden sei.
Folgendes Standgeld war im Jahre 1848 auf dem Markt zu Hövelhof üblich, ich zitiere wörtlich:

  1. Von jeden doppelten Tuch oder Wahren Laden von Wein und Kaffee Schenken 10 Silbergroschen.
  2. Von jeden einfachen Laden in vorstehender Art die Helfte = 5 Silbergroschen.
  3. Von jeder, weniger bedeutenden Kramebude, oder wo der Kram auf den Tische feil geboten wird, von Garküchen 2 Silbergroschen 6 Pfennig.
  4. Von Hausirern ohne unterschied 3 Silbergroschen 6 Pfennig.
  5. Marionetten und Gaukelspielern, Luftspringern und Musikanten, wenn die Gesellschaft über 3 Personen Stark ist = 10 Silbergroschen.
  6. Wenn dieselbe weniger als 3 Personen 5 Silbergroschen.
  7. Von jedem Pferde welches zu verkaufe ausgestellt wird, 1 Silbergroschen 3 Pfennig.
  8. Von Jedem Schweine 4 Pfennig.
  9. Von Ganßen u.z.w. = per dutzen 6 Pfennig.
  10. Gegenstende welch vorn nicht angeführt sindt, werden auf gutachten der Verordneten gehoben werden.

Gemeindevorsteher Antpöhler verglich die Tarife mit denen, die in Stukenbrock Geltung hatten und mußte feststellen, dass sich die Tarife fast glichen. Nur die Tarife für das Aufstellen eines Tanzzeltes oder einer Weinschänke lag über der Norm. Amtmann Reiche aus Delbrück hatte von dem hohen Tarif, welcher bei der Aufstellung eines Tanzzeltes in Stukenbrock erhoben wurde, gehört. Deshalb schrieb er am 3.3.1848 an den Vorsteher von Stukenbrock Antpöhler. Er, Amtmann Reiche, hätte festgestellt, dass die Stukenbrocker für das Aufstellen eines Tanzzeltes oder einer Weinschänke 2 Reichstaler erheben würden. Dieses wäre nicht gerechtfertigt, da vom Quadratfuß pro Tag nur 2 Pfennig erhoben werden dürfte. Ein Tanzzelt oder eine Weinschänke von einem Raum von 11/2 Quadratruthen wäre demnach mit einem Reichstaler 6 Silbergroschen zu berechnen. Da in der Gemeinde Hövelhof nur 10 Silbergroschen erhoben würden, sei der Tarif in Stukenbrock bedeutend zu hoch.
Amtmann Reiche verlangte nun, dass sich der Gemeinderat von Stukenbrock über einen geringeren Tarif beraten möchte. Würde aber der alte Tarif beibehalten, müsse der Vorsteher Antpöhler dieses unter Angabe von Gründen mitteilen. Am 7. November 1852 schrieben einige Gemeindeverordnete von Stukenbrock an den Königlichen Landrat Grasso in Paderborn und teilten diesem mit, dass schon seit langer Zeit der Jahrmarkt in Stukenbrock mit Schutzengelfest abgehalten worden sei. Da aber seit einigen Jahren an diesem Tage auch drei andere Märkte im Rietbergischen und Brackwede abgehalten würden, wäre der Markt in Stukenbrock dadurch bedeutend an Handel und Konkurenz geschmälert worden. Der Gemeinderat von Stukenbrock wünsche deshalb eine Verlegung des Marktes auf den ersten Mittwoch nach Schutzengelfest. Wenn der Markt an einem Wochentage statt an einem Sonntag gehalten würde, wäre die Sonntagsruhe wiederhergestellt.
Auch der Vorsteher Lümmer schrieb am 20. Dezember 1852 an den Amtmann Schrader in Delbrück. Der Jahrmarkt zu Stukenbrock stände im Kalender auf Montag nach Johannes Enthauptung. Am Sonntag vorher würde aber schon ein Markt unter dem Namen Kirchmeßmarkt abgehalten. Dieser direkt an der Kirche abgehaltene Markt, auf welchen kein Vieh verkauft würde, sei ein stark besuchter Markt. Da an der Kirche immer zwei große Tanzzelte ständen und auch dort noch mehrere Tanzsäle vorhanden wären, würde die Sonntagsfeier maßiv durch Tanzbelustigungen gestört. Auch die Krämer, die überwiegend aus dem Ausland kämen, würden trotz Aufsicht, den ganzen Tag ihre Waren feilbieten. Ausschlaggebend sei aber die Tatsache, dass auf dem Kirchmeßtag drei andere wichtige Märkte in der Umgebung abgehalten würden.
Anfang des Jahres 1853 war Landrat Grasso von dem Vorschlag, den Markt in Stukenbrock zu verlegen, nicht überzeugt, denn es lägen keine ausreichenden Gründe für eine Verlegung vor. Bevor aber einer Verlegung des Marktes zugestimmt werden könne, müßte alles mit den Marktzeiten in der näheren Umgebung abgestimmt werden.
Daß die Marktverlegung noch im Jahre 1853 genehmigt wurde, ist daraus zu entnehmen, dass der Markt 1853 Mittwoch nach Schutzengelfest abgehalten wurde. Weitere Marktdaten des Krammarktes von Stukenbrock: 1855, 3. September; 1859, 9. September; 1865, Donnerstag nach Schutzengelfest; 1874, 3. September; 1886, 9. September; 1890, 4. September. Die Durchschnittszahl der in den Jahren von 1880 bis 1885 auf den Markt zu Stukenbrock aufgetriebenen Pferde betrug 100 Stück und Rindvieh 30 Stück.
Im Frühjahr 1894 erhielt der Gemeindevorsteher von Stukenbrock Hachmann vom Amt in Delbrück ein Schreiben, in dem man andeutete, den Markt in Stukenbrock aufheben zu wollen. Ein Grund, warum der Markt in Stukenbrock aufgehoben werden sollte, ist aus den mir vorliegenden Akten nicht erkennbar.
In einer am 15. Mai 1894 einberufenen Gemeinderatssitzung, an der der Vorsteher Konrad Hachmann, genannt Eschen, und die Gemeindeverordneten Welschof, Hegselmann, Bentler, Brinkmann und Wickermeier teilnahmen, wurde ein Brief aufgesetzt. In diesem Brief, der an das Amt Delbrück geschickt wurde, wiesen die Gemeindeverordneten darauf hin, dass in Stukenbrock nur ein Markt bestünde. Dieser wäre ein Kram- und Viehmarkt. Es würden dort nicht nur Vieh, sondern auch Krämerwaren aller Art verkauft. Da auf dem Stukenbrocker Markt ein bedeutender Handelsverkehr stattfände, wäre eine Aufhebung des Marktes für die ganze Region ein herber Verlust. Da die Gemeindeverordneten mit ihrem Vorsteher Hachmann auf Fortsetzung des Marktes drängten, wurde der Markt weiterhin so abgehalten wie bisher.
Am 29. Juli 1897 genehmigte der Provinzialrat den Stukenbrocker Kram- und Viehmarkt auf Donnerstag nach Schutzengelfest. Da am 8. September 1904 der katholische Feiertag Maria Geburt war, verlegte man den Kram- und Viehmarkt zu Stukenbrock auf den 7. September. 1905 und 1906 fand der Kram und Viehmarkt am 6. September statt. 1910 heißt es im Märkteverzeichnis Kram, Pferde, Rindvieh und Schweinemarkt 8. September.
Auch in den entbehrungsreichen Zeiten des 1. sowie des 2. Weltkrieges blieb der Markt in Stukenbrock weitgehends bestehen. Dass der Markt in Stukenbrock dennoch vor einigen Jahrzehnten einging, ist als ein großer Verlust für den Ortsteil der heutigen Stadt Schloß Holte-Stukenbrock zu werten. Denn mit dem Verschwinden des Marktes ist auch ein Stück alter Dorfkultur gestorben.

markt-stukenbrock-neu.jpg

Blick vom Kirchturm St. Jophannes Baptist auf den Marktplatz zu Stukenbrock. Links im Bild der Turm des im Jahre 1935 neu erbauten Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Stukenbrock. Rechts im Hintergrund die auf der Ottenheide im Jahre 1902 neu erbaute Kirchschule (Mädchenschule) – Aufnahme um 1937

Quellenangaben:
Foto Privatarchiv Günter Potthoff
Archiv der Stadt Delbrück – Bestand A Nr. 66 – 68 -526

Historische Blätter 11. Jahrgang – April 2008 – Nr. 35, Text: Günter Potthoff

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Blick in die Vergangenheit

Donnerstag, 31. Januar 2008 19:55

Aus der Geschichte unserer Stadt Schloß Holte-Stukenbrock

Unter dieser Überschrift sollen zukünftig – nicht immer unbedingt in regelmäßigen Abständen – Beiträge zur Geschichte unserer Stadt erscheinen. Sie finden hier Berichte über interessante und bedeutsame Ereignisse aus vergangener Zeit, Historisches aus den einzelnen Stadtteilen, Geschichten unserer Kirchen und Kirchengemeinden, Beschreibungen historischer Bauwerke und Baudenkmale und vieles mehr. Es soll hier keine wissenschaftliche Abhandlung erfolgen, oder mit trockenen Daten gelangweilt werden.
Der Heimat- und Verkehrsverein möchte mit dieser Serie in lockerer, erzählender Form die Bürgerinnen und Bürger mit der Stadtgeschichte vertraut machen. Es werden nach Möglichkeit Autoren aus allen Stadtteilen an dieser „Historie“ mitwirken. Die Beiträge eignen sich bestimmt auch zum Sammeln.

Folge 1

„Die Stadt Schloß Holte-Stukenbrock“ mitten in der Senne, am Südwesthang des Teutoburger Waldes, im Fadenkreuz der Städte Bielefeld und Paderborn, Gütersloh und Detmold, liegt die Stadt Schloß Holte-Stukenbrock mit den Quellen der Ems. Ihre unmittelbaren Nachbarn sind die Bergstadt Oerlinghausen und die Gemeinden Augustdorf, Hövelhof und Verl mit dem Ortsteil Kaunitz. Das Stadtgebiet hat eine Größe von 7,62 qkm und liegt auf einer Höhe von ca. 140 m über NN. Die höchste Stelle der Stadt befindet sich im Stadtteil Stukenbrock an der Römerstraße in der Nähe des Gasthauses „Kuhkamp“ und des historischen Fachwerkhauses „Eckernkrug“. Um sich den Höhenunterschied innerhalb des Stadtgebietes vorstellen zu können, muss man wissen, dass die Erdoberfläche des Schützenplatzes in Stukenbrock mit der Kirchturmspitze von St. Ursula Schloß Holte auf einer Höhe liegt. Schloß Holte-Stukenbrock ist eine junge Stadt. Erst am 1. Januar 2003 erhielt sie die Stadtrechte und hat heute 26.469 Einwohner in den fünf Stadtteilen Liemke, Schloß Holte, Sende, Stukenbrock und Stukenbrock-Senne. Die einzelnen Stadtteile haben eine jahrhunderte alte Geschichte und können eine erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 1153 nachweisen. Im Jahre 2003 wurde dieses „850-jährige Jubiläum“ in den Stadtteilen mit historischen Umzügen und Jubiläumsfestlichkeiten feierlich begangen.
Über die A 2 und die A 33, über die Bahnstrecke Bielefeld – Paderborn sowie über den Regional-Flughafen Paderborn-Lippstadt in Ahden ist Schloß Holte-Stukenbrock schnell und aus allen Richtungen gut zu erreichen. Vor der „Stadtwerdung“ war Schloß Holte-Stukenbrock eine „Großgemeinde“, die am 1. Januar 1970 im Rahmen der kommunalen Neuordnung in Nordrhein-Westfalen aus der ehemals selbständigen Gemeinde Schloß Holte, aus Teilen der Gemeinde Sende, beide aus dem Amt Verl im ehemaligen Kreise Wiedenbrück und der Gemeinde Stukenbrock mit Stukenbrock-Senne aus dem Amt Schloß Neuhaus im Kreise Paderborn gebildet wurde.
Die Großgemeinde Schloß Holte-Stukenbrock wurde damals vorläufig dem Kreis Bielefeld zugeordnet. Sie setzte sich zusammen aus einem 5,5 qkm großen Teil der Gemeinde Sende mit 1.984 Einwohnern, einem 19,44 qkm großen Teil der Gemeinde Schloß Holte mit 7.281 Einwohnern und der ganzen Gemeinde Stukenbrock mit 42,68 qkm und 7.370 Einwohnern. Zusammen ergab das eine Fläche von 67,62 qkm mit 16.635 Bewohnern.
Der seinerzeitige Ortsheimatpfleger Rudolf Gürtler schreibt in seinem Buch „Mitte der Senne“: Die Bildung dieses neuen Gemeinwesens wurde von vielen Bewohnern argwöhnisch, von einigen sogar verbittert betrachtet. Es waren buchstäblich einschneidende Maßnahmen, die durch diese kommunalen Neuordnungen ausgelöst wurden. Liemke verlor etwa 7 qkm an der unteren Wapel an Verl, die Gemeinde Sende wurde sogar dreigeteilt (Teile fielen an Verl, an Schloß Holte-Stukenbrock und an Bielefeld-Sennestadt). Lediglich Stukenbrock mit Stukenbrock-Senne überstand diese Prozedur unbeschadet.
(wird fortgesetzt)
Heinz Tölke

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Historische Blätter Nr. 34

Freitag, 21. Dezember 2007 19:18

Kopf Historische

10. Jahrgang Januar 2008 Nr. 34

Weinkauf
Zusatzabgabe an den Landesherrn.

Wenn eine Person auf ein Kolonat (Bauernhof) heiratete und kein sogenanntes Weinkaufsgeld bezahlt hatte, erwarb diese Person keine Kolonatsrechte und die Kinder, die aus dieser Ehe hervorgingen, kein Anerberecht. In der Grafschaft Rietberg zahlte in der Regel der Vollmeier 80 Reichstaler, der Halbmeier 40 Rthl, der Zweitäger 16 Rthl, der Eintäger 8 Rthl, der Neuwöhner 5 Rthl und eine noch kleinere Stätte 3 Rthl Weinkauf.

Herbst Gericht 1755 Weinkäufe Liemke

Anna Maria Jaspar Morfeld, eine Tochter vom vollen Meierhof Morfeld in Möse kam auf den vollen Meierhof Dresselhaus in Liemke und heiratete den Sohn von Meier Dresselhaus Johan Otto. Der zu zahlende Weinkauf betrug 80 Reichstaler.

Es folgen einige wörtliche Wiedergaben:
„Elisabeth des Cord bey Buschen Tochter kommt nach Strohtmüllers Eintägers Stätte und heyrathet den Sohn Johan Dierk, welchen von der Mutter die Colonie und von dem Anerben Johan sein Anerb Recht abgetretten und überlassen ist, laut Protocolli Cameralis vom Julü, da dann zum Weinkauf angesetzt worden 8 Rthl.“

„Johan Christoffel bey Geisemeyer und dessen Frau Anna Catharina eine Tochter von Johan vor der Strothe Eintägers Stätte übernehmen die Rodenbecken Eintägers Stätte …. und müßen geben zum Weinkauf johan Christoffel 10 Reichtstaler und wegen der Frau 10 Reichtstaler.“

„Johan Henrich Johan Kritenbrink, welchem der Vatter Johan Kritenbrink seine neu acquirirte Kottstätte überlässet und die Leibzucht annimbt, heyrathet die Wittiben Leibzüchterin Krifte Wirth Annen Marien welche diese Stätte beweinkaufet d. 18. Januar mit 5 Rthl.“

„Anna Maria Krahkenburger eine Tochter von solcher Hochfürstlichen Paderborner Eigenbehörigen Stätte in Stukenbrock komt nach Johan Blombergs Stätte heyrathet den Sohn Johan Henrich, welchen der Vatter und die Mutter der Anerbe die Colonie haben übertragen, der Weinkauf ist gesetzet d. 19. April zu 8 Rthl.“
(Der Krahkenburger oder auch Krakenbörger Hof stand auf dem Gelände des Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 VI/K Eselheide in Stukenbrock-Senne).

Elisabeth eine Tochter von Langenströers Meyerhoff komt nach Henrich Pollmüllers eine acquirirte und angewiesene Eintägers Stätte heyrathend dem Sohn Johan Henrich welchem der Vatter die Colonie überlässet. Der Weinkauf ist gesetzet d. 17. May zu 8 Rthl.“

„Anna Margretha Ottomeyer eine Tochtet von der Hochfürstlichen Paderborner Eigenbehörigen im Westerloh belegenen Stätt, komt nach Krifte Wirth neue Kottstätte zu 21. Colonie Jahren, weilen die Anerbin Catharina Maria 3. Jahr alt wäre, der Weinkauf ist d. 7. Febr gesetzet zu 6 Rthl.“

1755

Catharina Margretha eine Tochter von Meyer Hülshorst, komt nach Niemmeyers Eintägers Stätte heyrathende dem Anerben Conrad, welchen der Vatter die Colonie übergelaßen hat, der Weinkauf ist d. 18. Januar gesetzet zu 12 Rthl.

1756

Anna Margretha Ottomeyer eine Tochter von der Hochfürstlichen Paderborner Eigenbehörigen im Westerloh belegenen Stätte, komt nach Krifte Wirth neue Kottstätte zu 21. Colonie Jahren, weil die Anerbin Catharina Maria 3 Jahr alt wäre, der Weinkauf ist d. 7 Febr. Gesetzet 6 Rthl.

Johan ein Sohn von Offele Otto komt nach Blombergs Eintäger Stätte heyrathet die Tochter Elisabeth, welcher der Bruder und Anerbe sein Anerbrecht mit gutsherrlicher Bewilligung hat übergelaßen und ist der Weinkauf gesetzet am 21. Febr. Zu 8 Rthl.

Nachdem Jacob Middelteicher den ihr angewiesenen Platz und darauf gebautes Hauß mit Genehmhaltung des gnädigsten Guthsherrens abgetretten hat an Steffen Ilsken aus dem Paderbornschen und dessen Ehefrauen Annen Marien Pukschnieder, deren Vatter ein Sohn von dieser Stätte gewesen, so ist diesem neuen Colonis heut d. 18, Junii der Weinkauf gesetzet und zwar nur citra tamen Consequentiamst jenen zu 3 Rthl auch dieser zu 3 Rthl.

Sende

Maria Elisabeth Diekmann eine Tochter von dieser halbspannigen Stätte komt nach Riewenherms Eintägers Kotten zu 16. Colonie Jahren, weil der Anerbe Johan Christoffel 8. Jahr alt wäre; der Weinkauf ist d. 24. April determiniret zu 18 Rthl.

War ein Hof abgebrannt oder in andere Nöte gekommen, so verzichtete der Landesherr oft für eine gewisse Zeit auf die jährlich zu zahlenden Abgaben oder reduzierte diese auf ein Minimum.

Dem Rodenbeck in Liemke war im Herbst 1735 das Haus abgebrannt. Deshalb wurden ihm drei Jahre lang folgende Abgaben erlaßen:

  • Dienstgeld Ostern – 2 Reichstaler
  • 1/2 Rind – 2 Reichstaler
  • Herbstpacht – 1 Reichstaler
  • Altdienstgeld – 9 Groschen
  • Michaelisdienstgeld – 2 Reichstaler
  • Spinngeld – 4 Groschen
  • 1 Huhn – 2 Groschen
  • insgesamt 7 Reichstaler und 15 Groschen

1741

Dem Geisemeyer wurden wegen eines nötigen Hausbaues, sowie, dass dieser sich bemühte, den verschuldeten Meierhof wieder in Stand zu setzen, folgende Abgaben erlaßen:

  • Dienstgeld Ostern – 6 Reichstaler
  • Maipacht – 1 Reichstaler
  • Salzgeld – 2 Groschen und 4 Pfennig
  • Hochzeitsholz – 20 Groschen
  • 1 Rind – 4 Reichstaler
  • Herbstpacht – 1 Reichstaler
  • Altdienstgeld – 2 Reichstaler
  • Michaelisdienstgeld – 6 Reichstaler
  • 3 Hühner – 6 Groschen
  • Spinngeld – 4 Groschen
  • Beyschatz – 5 Reichstaler
  • Das feiste Schwein gibt für dieses Jahr nichts.
  • Nachlaß – 25 Reichstaler, 32 Groschen und 4 Pfennig.

Dem Zweitäger Rodenbeck in Liemke war 1755 das Wohnhaus abgebrannt. Daher war dieser drei Jahre lang von folgenden Abgaben befreit.

  • Dienstgeld Ostern – 2 Reichstaler
  • ½ Rind – 2 Reichstaler
  • Herbstpacht – 1 Reichstaler
  • Altdienstgeld – 9 Groschen
  • Michaelisdienstgeld – 6 Reichstaler
  • Spinngeld – 4 Groschen
  • 1 Huhn – 2 Groschen
  • Nachlaß insgesamt 13 Reichstaler und 15 Groschen.

Weil im Jahre 1755 dem Kriftewirth sein Wohnhaus abgebrannt war und dieser sich außerdem den Fuß gebrochen hatte, wurden diesem laut Dekret vom 31. Oktober 1755 für drei Jahre alle Abgaben erlaßen. Kriftewirth zahlte aber wegen einer neuen Stätte, die er erhalten hatte, 3 Reichstaler 9 Groschen und für den in der Holte gelegenen Landwehrteich, den er in Pacht hatte, 4 Reichstaler.

Frühlingsgericht / Brüchtegelder

Leibzüchter Aldemeyer hat den Großehellerforth auf dem Weg von Stukenbrock nach Liemke im Rietberger Terretorium bei nächtlicher Zeit mit seinem Reitstock dergestalt von hinten auf den Kopf geschlagen, dass der Großehellerforth zu Boden fiel. Aldemeyer zahlt 10 Reichstaler Brüchte.
Nachdem der Großehellerforth sich vom Boden erhoben hatte, verfolgte er den flüchtigen Aldemeyer. Johan Henrich bei Siedenhans und Ewerdwalbesloh halfen dem Großehellerforth, den flüchtigen Aldemeyer einzufangen. Alsbald hatten sie diesen eingeholt und hielten ihn fest. Großehellerforth riß dem Aldemeyer den Reitstock aus der Hand und schlug damit den Aldemeyer blutig. Da Großehellerforth Selbstjustiz ausgeübt hatte, mußte dieser 10 Reichstaler Brüchte sowie die Kur bezahlen. Da Ewerdwalbesloh und Johan bei Siedenhans die Schläge des Großehellerforth auf den Aldemeyer nicht verhindert, sondern auch Schläe auf den Aldemeyer abgegeben hatten, mußten beide je zwei Reichstaler Brüchte zahlen.

Elisabeth, Magd bei Knocke, hat bei der Catharina Maria bei Siedenhans ehrenrührige Worte gegen einen Zimmerknecht ausgesprochen. Sie zahlt ein Reichtstaler Brüchte.

Colonus Knocke hat seine Magd Elisabeth, eine Tochter von Rodenbeckenschnieder blutrünstig geschlagen. Colonus Knocke zahlt fünf Reichstaler Brüchte und muß die Kur bezahlen. Außerdem muß er der Elisabeth, während sie zur Kur ist, täglich drei Groschen zahlen.

 

Aus der Chronik der Gemeinde Liemke

Verbrechen (wörtliche Wiedergabe)

In der Nacht vom 16. auf den 17. April 1820 ist der Colon Pollpeter in Liemke von einer ungefehr 10 Mann starken Räuberbande, welche sich für die Nacht-Patrouille mit dem Ortsbeamten ausgegeben hat, und gewaltsamer Weise in sein Haus eingedrungen ist, bestehlen auch sehr mißhandelt worden. Der Werth des Entwendeten, zum Theil baar ist zu 15 Reichstaler 22 Mariengroschen angegeben.

 

Quellenhinweis:
Staatsarchiv Münster
Grafschaft Rietberg Nr. 2489, 2519, 2522, 2529, 2535, 2536

 

 

 

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