Wunschtraum eines Wanderers

Wunschtraum eines Wanderers

(Ein Gedicht unbekannter Herkunft, vorgetragen von unserem Wanderführer Rudi nach der Dezember-Wanderung 2012)

Ein  jeder  Mensch  in  seinem  Leben
tut  meist  nach  etwas  Höh`rem  streben,
bewegt  im  Herzen  einen  Traum,
doch  Wirklichkeit  wird er wohl  kaum.
Mein  Wunsch  ist,  ich gesteh`  es  ein:
„Ich  möchte„  mal  Wanderführer  sein!“

Als  Wanderführer  wär´  ich wer!
Ich  wär`  der Wandergruppe  Herr!
Ich sagt´  wohin  sie  gehen  muss,
wär´  immer  vorne,  nie  am  Schluss.
Ich  kauft`  für´n  Bus die  Fahrscheine  ein.
Ach,  könnt`  ich  Wanderführer  sein!

Ich  könnt`  an allen Wandertagen
sie  früh aus  ihren  Betten  jagen,
durch`s  dichteste  Gestrüpp sie hetzen,
ließ`  sie  den Berg  rauf  und runter  wetzen,
und  legt`  noch  einen  Umweg  ein.
Ach,  könnt`  ich doch Wanderführer sein.

Ich würd`  bestimmen  was sie essen,
würd`  mal  den  richtigen  Weg  vergessen,
geböte  Rast  zur  Frühstückspause,
gäb`  das  Signal zur  PP-Pause.
Ich  gäbe  alles  dafür  her,
wenn  ich  doch  Wanderführer  wär`!

Das  war`s,  was  früher   ich  mal  dachte!
Doch  seit  ich  diese  Wanderung  machte,
erkenne  ich  mit  sicherem  Blick,
dies  wäre  nicht  mehr  höchstes  Glück.
Denn  welches  wirklich schweres  Los
hat  so  ein  Wanderführer  bloß!

Ganz  vorneweg  in  allen  Fällen
muss  gutes  Wetter er  bestellen.
Scheint  Sonne,  ist es viel zu  warm“!
Ist`s   kalt,  kriegts  mancher  an  den  Darm.
Der  Nebel  ist  auch  nicht  erwünscht,
Und  regnet`s  gar,  wird  er  gelyncht.

Der  nächste  Punkt:  die  Übernachtung
verdient  ganz  besondere  Beachtung.
Ein   jeder  will  ein  Einzelzimmer,
modern,  gemütlich,  ruhig  immer.
Mit eig` ner  Dusche,  Bad  und Klo,
natürlich  billig – sowieso.
Und  wer  sich  dann  noch  fühlt  verloren,
`ne  Wärmflasche  er  braucht  –   und  zwar  mit  Ohren!

Und  jeden  Tag  zum  Abendessen
verlangt  man  nur  Delikatessen.
Kaffee  und  Bier  und  Schnaps  und  Wein
Das  muss  besonders  preiswert  sein.

Der  Weg,  das  wichtigste  Problem,
sei  eben  stets  und  recht  bequem.
Weich  sei  der  Boden,  ohne  Steine,
Labsal  für  müde  Wanderbeine.
Muss  man  dann  aber  auf  Asphalt,
macht  man  den  Wanderführer  kalt.

Der  Weg  darf  nie  bergaufwärts  führen,
ein  Führer  soll`s  gar  nicht  erst  riskieren.
Auch  Dickicht  sollt`  er  stets  vermeiden,
kein Wanderer  kann  ihn  sonst  noch  leiden.
In  kurzen  Worten,  schlicht  und  fein;
„Ein  Führer  muss  ein  Engel  sein!“
Da  ich  wohl  dafür  nicht  gemacht,
so  hab`  ich  meinem  Wunsch  entsagt.
Ich  will  kein  Wanderführer  sein!
Ich latsche  lieber  hinterdrein!

 

 

Tags »

Autor:
Datum: Sonntag, 16. Dezember 2012 20:40
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Aktuelles, Sportliche Wandergruppe

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben